Kreislaufwirtschaft bringt neue Materialien und Produkte hervor

• Maschinenbauer können Kreislaufwirtschaft beschleunigen • Einheitliche Kennzeichnung nötig • Kreislaufwirtschaft muss schnell angegangen werden

Düsseldorf, 22. Oktober 2019 – Das Bekenntnis der Kunststoffindustrie zur Kreislaufwirtschaft wird in Zukunft eine ganze Reihe neuer Materialien, Prozesse und Produkte hervorbringen. „Die Maschinenbauer haben die technologische Kompetenz, diesen Prozess zu beschleunigen“, sagte Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA am Dienstag im VDMA-Pavillon auf der K. Für die Metalle sei der Kreislauf mit einer Recyclingrate von fast 100 Prozent schon fast vollständig geschlossen. Jetzt seien die Kunststoffe an der Reihe. „Das ist technologisch schwieriger, aber das Potenzial, etwas zu erreichen, ist sehr groß“, sagte Brodtmann.  

Für das Gelingen sei wichtig, dass alle Beteiligten miteinander kooperierten. Ein Beispiel: Ein Maschinenbauer muss mit dem Materiallieferanten seines Kunden sprechen, damit er weiß, welche Anforderungen seine Maschine erfüllen muss. Auch der Verbraucher müsse einbezogen werden. Damit er sich in Zukunft auch bewusst für Produkte aus Rezyklaten oder biobasierten Kunststoffen entscheiden könne, brauche es eine entsprechende Kennzeichnung auf EU-Ebene. „Mit dem gestiegenen Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist das, glaube ich, sehr gut machbar“, sagte Brodtmann.

 

Bio-Kunststoffe auf dem Vormarsch

Auf der K wurden bereits eine Reihe neuer Materialien und Produkte vorgestellt. Die Firma fm Kunststofftechnik präsentierte einen Mehrweg-Kaffeebecher, der vollständig kompostierbar ist.  Dafür verwendet sie ein Biopolyester, das mit bis zu 40 Prozent Sonnenblumenschalen angereichert wird. Diese Schalen sind ein Abfallprodukt bei der Herstellung von Sonnenblumenöl. Sie ermöglichen erstens eine Einsparung des Bio-Kunststoffes und zweitens erhöhen sie die Stabilität des Produkts. Die Kaffeebecher sind sogar spülmaschinenfest. Der größere Vorteil ist aber, dass sich die Kaffeebecher im Erdreich zersetzen und nicht, wie etwa PLA, auf eine Temperatur von 60 Grad gebracht werden müssen. „Unser Material ist für den Gebrauch im Lebensmittelbereich vollständig zertifiziert“, sagte Reinhard Trumme, Prokurist bei der Firma Golden Compound, die dieses Material entwickelt hat, bei einer Präsentation im VDMA-Pavillon.

Auch auf der Materialseite tut sich schon viel. Die Firma Biofibre hat einen biobasierten Kunststoff mit sehr guten Eigenschaften für das Spritzgießen entwickelt, den ein Kunde für die Produktion von Schuhspannern einsetzt. „Das Produkt ist sehr leicht, sehr stabil und gleichzeitig sehr flexibel, alles Eigenschaften, die man für einen Schuhspanner braucht. Außerdem lässt es sich sehr gut kolorieren“, erklärte Prokurist Christoph Glammert im VDMA-Pavillon. Damit eröffneten sich für das Material auch andere Einsatzgebiete, zum Beispiel im Möbel-Bereich. Die Produkte kosteten heute noch etwas mehr als vergleichbare aus konventionellen Materialien. Aber die Verbraucher seien mittlerweile bereit, für ein umweltfreundliches Produkt auch mehr zu bezahlen. Nachfrage komme auch aus Ländern, in denen bestimmte Kunststoffprodukte verboten worden seien. Dort werde nach Alternativen gesucht. „Wir erleben gerade eine große Veränderung in unserem Markt“, sagte Glammert.

 

Chemisches Recycling bei schwer zu rezyklierenden Kunststoffen

Nicht aller Kunststoffabfall lässt sich heute schon wirtschaftlich recyceln und damit zurück in den Kreislauf bringen. Der Materialaufbereitungsspezialist Vecoplan zeigte im VDMA-Pavillon, dass in einem solchen Fall chemisches Recycling eine Option sein kann. Die US-Firma Brightmark Energy macht in einem selbst entwickelten chemischen Verfahren jährlich aus 100.000 Tonnen schwer rezyklierbaren Kunststoffabfalls neue Produkte wie beispielsweise Diesel oder auch Wachse. „Auf diese Weise verhindert unser Kunde Brightmark, dass dieser Abfall auf Deponien landet“, sagte Martina Schmidt, Leiterin des Geschäftsbereichs Recycling/Waste bei Vecoplan. Die Anforderungen an die Aufbereitung dieses Abfallstroms seien anders als bei werkstofflichem Recycling. „Chemisches Recycling kann ein Weg sein, Kunststoffabfällen ein zweites Leben zu geben“, sagte Schmidt.

 

Mut zur Transformation

Die Kunststoffindustrie hat auf der K gezeigt, dass sie für Kreislaufwirtschaft bereit ist und auch schon konkrete Schritte in diese Richtung unternommen hat. „Da ist eine Transformation im Gange“, sagte Julia Eckey von der Unternehmensberatung Joschka Fischer & Company. Jetzt gehe es um die Umsetzung, und da sollten alle Teilnehmer am Kreislauf nicht zögerlich sein. „Die Frage ist, ob wir darauf warten, dass wir von anderen gedrängt werden, oder ob wir die Dinge in die Hand nehmen“, sagte sie.

 

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