Kunststoffverpackungen nehmen mit wachsendem Wohlstand zu

• Verbraucher sollten weniger statt mehr sortieren • Erhöhter Lebensmittelschutz durch Verpackung • Jede vierte Kunststoffverpackung kommt aus Deutschland

Düsseldorf, 17. Oktober 2019 – Die Menge an Kunststoffverpackungen nimmt weltweit kontinuierlich zu, zugleich besteht vielerorts eine Knappheit an Material, das für ein Recycling zur Verfügung steht. Auch dort, wo es effiziente Sammelsysteme gibt. Das Problem ist häufig, dass die Verbraucher nicht genug sammeln. Die Lösung dieses Problems liegt für Gian De Belder, Recyclingspezialist des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble, in einer Vereinfachung. „Es sollte für alle Verbraucher nur eine einzige Mülltonne geben, in die sie alle Verpackungsabfälle werfen. Erst danach wird der Müll getrennt“, sagte De Belder am zweiten Tag der Leitmesse K im VDMA-Pavillon, wo es am Donnerstag schwerpunktmäßig um Kunststoffverpackungen ging.

 

Man müsse die Verbraucher dazu bringen, das richtige zu tun und Müll zu sammeln. Gleichzeitig dürfe man sie aber nicht überfordern. Es gebe Verpackungen, da lasse sich kaum sagen, ob sie aus Papier oder Kunststoff hergestellt wurden. „Wenn wir den Verbraucher durch Vereinfachung überreden können, mehr zu sammeln, wird es sehr schnell mehr Material für das Recycling geben“, zeigte sich De Belder überzeugt. Das ist auch für Procter & Gamble wichtig. Der Konzern hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Einsatz neuer, fossiler Kunststoffe um die Hälfte zu verringern. Gleichzeitig sollen alle Verpackungen recyclingfähig werden. Diese Ziele will der Konsumgüterriese vor allem durch wertschöpfungsübergreifende Kooperationen erreichen. P&G ist daher auch Mitglied im Industrieverband Ceflex, der sich nach Aussage von Projektberaterin Dana Mosora zum Ziel gesetzt hat, den Beitrag flexibler Verpackungen zur Kreislaufwirtschaft zu steigern und dazu Vertreter aller Stufen der Wertschöpfungskette Kunststoff eingebunden hat.


Starker Anstieg im Lebensmittelbereich

Die Nachfrage nach verpackten Lebensmitteln ist 2018 weltweit erneut gestiegen. Für dieses Jahr erwartet der VDMA Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen (NuV) eine weitere Zunahme um 13,2 Prozent. Bis 2023 rechnet er mit einer Steigerung von 16 Prozent. Am schnellsten wächst die Nachfrage in China, für das der Fachverband in den nächsten vier Jahren ein Plus von 24 Prozent prognostiziert. „Zu den Treibern der Nachfrage zählen das Wachstum der Weltbevölkerung, die Zunahme von Wohlstand, aber auch die wachsende Zahl kleinerer Haushalte“, erklärte NuV-Expertin Vera Fritsche im VDMA-Pavillon. Besonders schnell entwickelten sich die flexiblen Verpackungen, beispielsweise Folien oder Beutel.

Kunststoffverpackungen nehmen einerseits zu, weil mehr Produkte verpackt werden, andererseits, weil der Kunststoff andere Verpackungsmaterialien verdrängt. Aktuell liegt der Kunststoffanteil an Verpackungen bei 64 Prozent, er dürfte aber steigen, weil der Kunststoff immer häufiger andere Materialien wie Papier, Glas oder Metall ersetzt.

 

Jede vierte Kunststoffverpackung kommt aus Deutschland

Innerhalb der EU stellt Deutschland die meisten Kunststoffverpackungen her – jede vierte. In Deutschland werden mit 60 Prozent auch besonders viele Nahrungsmittel verpackt. Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) hat für 2018 eine Zunahme von 2,7 Prozent ermittelt und erwartet für 2019 ein Plus von einem Prozent. Die Unternehmen der Branche sehen sich mit der Vorgabe der EU konfrontiert, bis 2030 eine hundertprozentige Rezyklierbarkeit ihrer Produkte zu erreichen. Zur Erreichung dieses Ziels ist es nach Ansicht der IK-Geschäftsführerin Dr. Isabell Schmidt noch viele Investitionen in die Recycling-infrastruktur nötig. Sie stellte aber in Frage, ob es überhaupt sinnvoll sei, diese 100 Prozent unter allen Umständen zu erreichen. „Wenn man von schwer zu rezyklierenden Multilayer-Folien auf leichter zu rezyklierende Monolayer-Folien wechselt, geht das mit einer Zunahme an Gewicht einher“, sagte sie. Das wiederum vergrößert den CO2-Fußabdruck, unter anderem, weil die Transportkosten steigen.

 

Erhöhung der Nahrungsmittelsicherheit

Kunststoffverpackungen sind nicht nur leicht. Sie verhindern auch, dass Nahrungsmittel verderben. „Zwischen 30 und 40 Prozent aller Lebensmittel erreichen nicht den Teller“, sagte Stefan Glimm von der auf die Lebensmittelindustrie spezialisierten Unternehmensberatung STC Consult. Deshalb seien Verpackungen aus Kunststoff gerade bei Nahrungsmitteln wichtig. Neben der längeren Haltbarkeit böten sie auch ein hohes Maß an Hygiene und beugten damit gerade auch in Entwicklungs- und Schwellenländern der Ausbreitung von Krankheiten vor. Dem hielt Gregor Witt, Vorsitzender des Vereins der Unverpackt-Läden, entgegen, es sei für die Umwelt auf jeden Fall besser, auf Verpackungen möglichst zu verzichten und dafür Produkte aus der Region zu kaufen. Er räumte aber ein, dass sich das in Deutschland leichter bewerkstelligen lasse, als in vielen anderen Teilen der Welt. „Von der Kunststoffindustrie wünsche ich mir, dass sie Verpackungen so produziert, dass sie auch wirklich recycelbar sind“, sagte er.

 

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