Bei der Kreislaufwirtschaft müssen alle mitmachen

• Strengere Auflagen beschleunigen die Kreislaufwirtschaft • Qualitätsstandards für Rezyklate sind unverzichtbar • Kompletter Kreislauf wird auf der K 2019 gezeigt

Düsseldorf, 16. Oktober 2019 – Angesichts einer immer schneller steigenden Verschmutzung der Ozeane mit Kunststoffmüll hat der Vorstandsvorsitzende des Kunststoffmaschinenverbands im VDMA, Ulrich Reifenhäuser, die Politik zu strengeren Vorgaben und Regulierungen aufgerufen. „Wir müssen die Kreislaufwirtschaft beschleunigen und dazu brauchen wir strenge Gesetze und auch schmerzhafte Strafen, wenn sich jemand nicht daran hält“, sagte Reifenhäuser am Mittwoch auf einer Podiumsdiskussion des VDMA zu Beginn der Weltleitmesse K in Düsseldorf. Die Kreislaufwirtschaft führe notwendigerweise zu Innovationen. Je höher die politischen Anforderungen an die Kunststoffindustrie gestellt würden, desto eher könne man mit technologischen Lösungen rechnen.

„Die Politik macht Vorgaben, aber der Treiber wird der Wettbewerb sein“, sagte Reifenhäuser an die Adresse von Dr. Joanna Drake, stellvertretende Generaldirektorin des EU-Umweltkommissariats. Die verwies aber darauf, dass die EU-Kommission die Messlatte schon sehr hoch hänge und dies auch weiter tun werde. „Wir setzen die Ziele hoch, aber wir werden oft von den Regierungen der Mitgliedsstaaten gebremst, die denken, ihre Unternehmen vor allzu hohen Forderungen schützen zu müssen“, sagte sie. Drake forderte ihrerseits die Kunststoffindustrie auf, die Kommission auf ihrem ehrgeizigen Weg zu unterstützen. Sie wertete das bisher Erreichte als Erfolg. Vor wenigen Jahren sei Kreislaufwirtschaft für viele gar kein Thema gewesen. Mittlerweile zögen alle Beteiligten der Wertschöpfungskette Kunststoff an einem Strang. „Die Kunststoffindustrie ist heute schon Teil der Lösung des Abfallproblems“, sagte sie.

 

Qualitätsstandards werden Rezyklatanteile erhöhen

Als nächstes will Drake in der Kommission das Thema Produktdesign angehen. Noch gebe es zu wenige Produkte, die aus Rezyklaten hergestellt werden. Dies lasse sich aber ändern, wenn schon bei der Planung eines neuen Produkts die spätere Recyclingfähigkeit mitgedacht werde. Wie genau dieses Ziel erreicht werden soll, sagte sie nicht. Aber sie zeigte sich überzeugt: „Wir brauchen mehr Produkte aus dem Kunststoffkreislauf, die verfügbar und auch erschwinglich sind.“ Damit dies geschieht, sind nach Ansicht von Thomas Kyriakis, Vorstand der Schwarz-Gruppe, Qualitätsstandards für Rezyklate nötig. Erst dann könne man auch mehr Material einsetzen, sagte er, dessen Gruppe als Dachgesellschaft die Handelsketten Lidl und Kaufland führt. „Heute dürfen nur fünf Prozent Rezyklate in Produkten aus dem Lebensmittelbereich eingesetzt werden. Wenn die Qualität stimmt, könnten es auch mehr werden. Nur brauchte es dazu die Erlaubnis“, sagte Kyriakis. Drake kündigte an, die entsprechende Richtlinie zu überprüfen. „Das ist die Stellschraube, mit der wir etwas verändern können“, sagte sie.

 

Das Fehlen von Qualitätsstandards beklagt aus wissenschaftlicher Sicht auch Prof. Dr. Hans-Josef Endres von der Leibnitz-Universität Hannover. Ein verstärkter Einsatz von Rezyklaten könnten sich Verarbeiter bislang kaum leisten, wenn sie nicht wüssten, welche Ware sie genau bekommen. „Wenn man nicht weiß, was in einem Rezyklat steckt, kann man es nicht für hochwertige Produkte einsetzen. Damit bleiben den Rezyklaten viele Einsatzbereiche verschlossen“, sagte er. Auch Endres plädierte für gesetzliche Vorgaben, damit mehr qualitativ hochwertige Rezyklate auf den Markt kommen.

 

Kooperation ist entscheidend für den Erfolg der Kreislaufwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft funktioniert nach Ansicht aller Experten nur, wenn jeder in der Wertschöpfungskette Kunststoffe seinen Beitrag leistet und alle zusammenarbeiten. Eine solche länderübergreifende Kooperation stellen vier Unternehmen auf der K vor. Das kalifornische Start-up Bureo sammelt in Chile ausgediente Fischernetze, sortiert und reinigt sie. Anschließend werden sie von der Firma Lindner-Recyclingtech zerkleinert. Danach macht der Recyclingspezialist Erema daraus Rezyklate, die vom Spritzgießmaschinenbauer Engel auf der Messe zu neuen Produkte verarbeitet werden. „Wir zeigen auf der Messe einen kompletten Kreislauf. Wenn die Industrie zusammenarbeitet, können wir viel erreichen“, sagte Erema-CEO Manfred Hackl bei der Vorstellung des Projekts im VDMA-Pavillon. Derartige Kooperationen wird es in Zukunft häufiger geben, denn das Interesse der unterschiedlichsten Akteure der Kunststoffindustrie an der Etablierung von Kreisläufen ist groß. „Auf diese Weise können wir zeigen, dass Produkte aus Kunststoff auch an ihrem Lebensende einen Wert haben“, sagte Dr. Christoph Steger, CEO von Engel.

 

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