Alles muss recyclingfähig werden

Pallmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG

Teil 19 unserer Interviewserie zur Circular Economy: Im Gespräch mit Stefan Wissing und Uwe Wagner, Geschäftsführer bei der Pallmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG

Die EU will die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe durchsetzen und setzt dafür Recyclingquoten fest? Halten Sie eine Quote von 30 Prozent für realistisch?

Wissing: Das ist auf jeden Fall zu schaffen. Die Technik dazu gibt es schon weitestgehend. Auch Verordnungen bezüglich des sortenreinen Herstellens dürften die Recyclingfähigkeit erheblich erhöhen, und deswegen halten wir die 30-Prozent-Recyclingfähigkeit bis 2030 für durchaus realistisch. Unsere langfristigen Ziele für die Recyclingfähigkeit müssen jedoch weit über dieser 30-Prozent Marke liegen, und das werden wir auch erreichen.
Wagner: Für die Post-Industrial-Anwendungen gibt es ja schon lange hohe Recyclingquoten, etwa bei Fensterprofilen oder Fußbodenlaminat. Neue Nachfrage kommt jetzt vor allem aus dem Post-Consumer-Bereich.

 

Gutes Rezyklat ist wegen der Recyclingkosten meist teurer als Neuware. Wird das dennoch eingesetzt werden?

Wagner: Lange Zeit hat immer die Einschätzung vorgeherrscht, dass das Recyclinggeschäft sehr stark vom Ölpreis abhängt. Je höher der Ölpreis ist, desto attraktiver wird das Recyclinggeschäft und umgekehrt. Das stimmt
inzwischen nur noch teilweise, denn die Wirtschaftlichkeit ist nicht mehr alles. Seit einigen Jahren steht die ganze Branche unter öffentlichem Druck, auch die Kunststoffhersteller. Wir müssen uns heute in der gesamten Wertschöpfungskette Kunststoff als Unternehmen präsentieren, die nachhaltig arbeiten. Und das heißt, dass alles recyclingfähig sein muss. Der Preis spielt da nicht mehr die alles entscheidende Rolle.

 

Sollte man die Sammelsysteme noch verbessern?

Wagner: Das wäre aus unserer Sicht natürlich hilfreich. Wenn das Material, das bei uns ankommt, schon viel weiter vorsortiert ist, wird es für uns und den Endanwender leichter. Aber man sollte auch realistisch bleiben. Eine hundertprozentige Sortenreinheit werden wir auch durch noch so ausgefeilte Sammelsysteme nicht erreichen. Bei Post-Consumer-Abfall wird man nie sicherstellen können, dass nicht doch unerwünschte Fremdkörper im Rücklaufmaterial sind. Wir versuchen also, die Technik so auszurichten, dass unsere Anlagen mindestens zu einem Teil die Trennung übernehmen.
Wissing: Anders als bei industriellem Kunststoffabfall müssen bei Post-Consumer-Abfällen die Verbraucher sortieren. Wir glauben nicht, dass die Verbraucher absolut sortenrein trennen können. Es fehlt dazu die für jeden Verbraucher leicht und eindeutig erkennbare Kennzeichnung all der verschiedenen Materialien, und schließlich wäre auch die Anzahl der erforderlichen Sammelbehälter nicht darstellbar. Kleinste Verunreinigungen erfordern dann später sowieso die geeignete Anlagentechnik. Dann ist nicht wirklich relevant, ob man zwei Prozent Verunreinigung hatte oder zehn Prozent.

 

Halten Sie es für möglich, dass man Verbundstoffe in der Zukunft trennen kann?

Wissing: Das kann ich mir für die Zukunft durchaus vorstellen, auch wenn das derzeit noch sehr schwierig erscheint. Viel früher aber wird es gelingen, Verbundstoffe zu rezyklieren. Es gibt schon Forschungsprojekte, wo man an Verfahren arbeitet, mit denen carbonfaserverstärke Werkstoffe zerkleinert und so aufbereitet werden, dass sie wieder zu Carbonfaserteilen verpresst werden können. Wir denken gerade darüber nach, uns an einem solchen Projekt zu beteiligen.

 

Verlieren diese Teile dann nicht die Festigkeit, die man an ihnen so besonders schätzt?

Wissing: Geschätzt wird ja auch die Leichtigkeit dieses Materials. Es gibt viele Einsätze, wo niedrigere Anforderungen an die Festigkeit gestellt sind, aber dafür umso höhere ans Gewicht. Man muss natürlich testen, wieviel Festigkeit man durch Recyclieren verliert. Aber grundsätzlich kann auch dieser Verbundwerkstoff wieder in einen Kreislauf kommen.

 

CFK-Recycling könnte also über kurz oder lang eine neue Anwendung bei Pallmann werden und damit zu einem zusätzlichen Geschäft führen?

Wagner: Darüber denken wir intensiv nach. CFK-Recycling erfordert auf jeden Fall völlig neue Technologien. Wir haben schon früh gemerkt, dass wir mit diesem Werkstoff bei unseren Maschinen sehr schnell an die Grenzen kommen. Bei allen Zerkleinerungsprozessen kommt es immer auf den Verschleiß an. Bei diesen Verbundwerkstoffen haben wir bei Versuchen festgestellt, dass man einen unvorstellbar hohen Verschleiß hat. Da sind wir dann auf teilweise berührungslose Trennungs- und Zerkleinerungsverfahren gestoßen. Das könnte ein vielversprechender Ansatz sein.

 

In einigen Ländern Asiens steigt langsam das Umweltbewusstsein und man diskutiert auch eine Kreislaufwirtschaft. Wird das eine Geschäftschance?

Wissing: Wir haben eine Exportquote von über 80 Prozent. Unsere Maschinen und Anlagen gehen vor allen in den europäischen und nordamerikanischen Raum, wo hohe technologische Anforderungen gestellt werden. In Asien ist das bislang nicht so. In Indonesien wird gerade eine Gesetzgebung geschaffen, die vorschreibt, dass aller Müll recycelt und nicht mehr ins Meer gekippt werden soll. Theoretisch würde das Exportchancen für uns eröffnen. Hier werden aber technologisch anspruchslosere und damit auch preiswertere Maschinen eingesetzt werden. Wenn in diesen Ländern später einmal Hochtechnologie gefragt sein sollte, dann sind wir zur Stelle.

 

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