Die Technik ist da, man muss sie nur anwenden

ILLIG Maschinenbau GmbH & Co. KG

Teil 15 unserer Interviewserie zur Circular Economy: Im Gespräch mit Sven Engelmann, Leiter Verpackungstechnologie bei der ILLIG Maschinenbau GmbH & Co. KG

Was bedeutet Kreislaufwirtschaft für ILLIG?

Sven Engelmann: Für uns ist die Kreislaufwirtschaft wichtig, weil wir unseren Kunden nachhaltige Lösungen anbieten können, die die Gesellschaft wiederum fordert. Aus der Kreislaufwirtschaft kommen Rezyklate. Wir als Anbieter von Maschinen- und Werkzeugsystemen passen die Thermoformprozesse unserer Systeme so an, dass die rezyklierten Kunststoffe zu qualitativ hochwertigen Formteilen verarbeitet werden. Im Prinzip gibt es das schon seit mehreren Jahrzehnten. Viele unserer Kunden arbeiten nur mit Rezyklaten, allerdings nur mit industriell gesammelten, die aus Kunststoffabfällen in der Produktion entstehen. Die Thermoformsysteme müssen die Qualitätsschwankungen, die es bei Rezyklaten immer gibt, ausgleichen können. Nun geht man einen Schritt weiter und will auch die Verarbeitung von Post-Consumer-Abfällen zu Rezyklaten intensivieren.


Bei Post-Consumer-Abfällen hat man mehr Probleme mit dem Recycling, oder?

Engelmann: Ja, der Aufwand ist größer. Man braucht aufwändigere Sortieranlagen, auch Waschanlagen, die den Schmutz entfernen. Beim wertstofflichen Recycling von Kunststoffen versucht man daher schon vorher, die Kunststoffe möglichst sortenrein zu trennen. Die für das Thermoformen aus den Post-Consumer-Abfallströmen vornehmlich nutzbaren Kunststoffe sind derzeit Polypropylen und das PET. Und hier muss noch weiter getrennt werden. Allein das Heraussortieren von PET schafft ja kein einheitliches PET, sondern man hat immer eine Mischung aus verschiedenen PET-Anwendungen.

Wir sind auch gar nicht sicher, ob das wertstoffliche Recycling in der mittelfristigen Zukunft die Lösung ist. Es könnte am Ende auch auf das chemische Recycling hinauslaufen. Diese Verfahren der Depolymerisation zerlegen beispielsweise einen thermoplastischen Kunststoff in seine einzelnen Bausteine, die Monomere. Diese werden dann anschließend wieder zusammengesetzt, zu einem neuen Kunststoff polymerisiert. Da entstehen in gewissem Sinne komplett neue Werkstoffe. Auf der K wird man vielleicht schon erste Konzepte von den Rohstoffherstellern sehen können.


Wie groß ist die Bereitschaft der Kunden, Rezyklate einzusetzen?

Engelmann: Die Bereitschaft ist groß. Früher haben unsere Kunden Rezyklate in dafür geeigneten Anwendungen eingesetzt, um Kosten zu sparen. Und unsere Maschinen haben die allfälligen Chargenschwankungen ausgeglichen. Jetzt argumentieren wir, dass der Einsatz von Rezyklaten das Herstellen nachhaltigerer Verpackungen ermöglicht. Die Kunden gehen darauf gerne ein. Maschinenseitig hat sich nicht viel geändert.


Wertstoffliches Recycling verbraucht viele Ressourcen, wenden Kritiker manchmal ein.

Engelmann: Ja, es stimmt schon, dass man hierfür viel Energie braucht. Da muss man die Relation sehen und die Ökobilanzen der einzelnen Packmittel betrachten. So benötigt eine Kreislaufwirtschaft der Kunststoffe weitaus weniger Energie als beispielsweise jene für Glas oder Metall. Für das Wiederverwerten eines Joghurtglases ist der Ressourcenaufwand im Vergleich zu einem thermogeformten Kunststoffbecher viel größer.


Viele Konsumgüterhersteller wollen den Kunststoffeinsatz bei Verpackungen verringern. Ist das möglich?

Engelmann: Ja, das ist gut möglich. Dieser Trend hat sich vor allem in den letzten Monaten deutlich beschleunigt. Man kann ein Reduktionsziel von 20 bis 25 Prozent schon erreichen, wenn man vom Spritzgießen auf das Thermoformen umsteigt. Das funktioniert bei vielen Verpackungen. Das Gewicht sinkt, aber die mechanischen Eigenschaften sind dieselben. Immer mehr Verpackungshersteller steigen deshalb, wo immer möglich, auf thermogeformte Verpackungen um. Einen Margarinebecher kann man zum Beispiel hervorragend thermoformen, dennoch wird er oft noch gespritzt.


Wodurch erreicht man das geringere Gewicht denn?

Engelmann: Wir gehen beim Thermoformen von einem Halbzeug, der Kunststofffolie, aus, das wir umformen. Das Umformen erfolgt durch eine Verstreckung. Die bewirkt, dass sich mechanische Eigenschaften verbessern, weil wir im Ausgangswerkstoff, zum Beispiel PP, längere Molekülketten haben. Die ergeben eine höhere Festigkeit.


Gibt es auch einen Trend zu weniger Verpackung?

Engelmann: Man muss sich fragen, welche Aufgabe eine Verpackung hat. Sie muss Schutz bieten, den Transport sichern, Hygiene garantieren, sie hat Barriereeigenschaften zur Verlängerung der Haltbarkeit – und sie muss einen Kaufanreiz am Point of Sale setzen. Momentan ist es so, dass man Letzteres gerne vergisst. Aber der Kaufanreiz ist nach wie vor extrem wichtig. Der Verbraucher kauft nun einmal nichts, das ihn nicht auch optisch anspricht. Viele Verpackungen fallen mir nicht ein, bei denen unsinnig viel Material eingesetzt wird. Wir erwarten deshalb, dass es auch weiterhin Kunststoffverpackungen geben wird. Im Übrigen erleben wir nicht die erste Krise im Kunststoff, vor zwanzig Jahren wurde diese Diskussion schon einmal intensiv geführt. Am Ende hat sich bislang immer die Erkenntnis durchgesetzt, dass Kunststoff viele Vorteile hat.


Was ist die wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft?

Engelmann: Wir brauchen einfach mehr Aufklärung. Die meisten jungen Menschen, die für das Klima auf die Straße gehen, sind nicht in der Lage, bei einem Joghurtbecher den metallischen Deckel und den Kunststoffbehälter voneinander zu trennen und getrennt zu sammeln. Die Kreislaufwirtschaft kann nur ein Erfolg werden, wenn auch der Verbraucher seinen Beitrag leistet. Er muss aufgeklärt werden, wie er seinen Verpackungsmüll trennen muss.

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