Der Maschinenbau kann einen großen Beitrag leisten

Windmöller & Hölscher

Teil 11 unserer Interviewserie zur Circular Economy: Interview mit Peter Steinbeck, CSO Windmöller & Hölscher Gruppe

Kunststoff ist öffentlich in Verruf geraten. Was bedeutet das für einen Maschinenbauer?

Peter Steinbeck: Wir sind Teil der Wertschöpfungskette, deshalb geht uns das schlechte Image natürlich auch an. Auch wir als Maschinenbauer erschrecken, wenn wir Bilder von vermüllten Meeren sehen, und selbstredend sind wir auch für Umweltschutz. Trotz der Herausforderungen dürfen aber die großen Vorteile von Kunststoff – und insbesondere der flexiblen Verpackung – nicht ignoriert werden. Als Branche sind wir gefordert, Kunststoff in seinen verschiedenen Einsatzgebieten gemeinsam weiterzuentwickeln, die Herausforderungen anzugehen und die Stärken zu fördern. Als Maschinenbauer können wir mit unserer Technologie im Bereich der flexiblen Verpackungen dazu einen großen Beitrag leisten.

 

Wie sollte das Müllproblem denn angegangen werden?

Steinbeck: Wir sehen hier eine zweigeteilte Aufgabe. Zum einen müssen wir zusehen, dass sich in den entwickelten Märkten die Recyclinganteile deutlich erhöhen. Politische Vorgaben vor allem innerhalb der EU sind dabei durchaus sinnvoll, weil sie einen sicheren Rahmen schaffen. Technologisch müssen Effizienz, Funktionalität und Recyclingfähigkeit vereinbar gemacht werden. Zum anderen müssen Länder unterstützt werden, die noch keine funktionierende Abfallwirtschaft haben und deshalb im Wesentlichen für die Meeresverschmutzung verantwortlich sind. Wir müssen ihnen bei der Einführung von Sammelsystemen helfen und auch dabei, dass sie Kunststoff als Wertstoff erkennen, den man wiederholt nutzen kann.

 

Welche Möglichkeiten hat man denn als deutscher Maschinenbauer, in den Ländern Einfluss zu nehmen, in denen es gar keine Sammelsysteme gibt?

Steinbeck: Ich glaube, wir sind hier mit dem deutschen und europäischen Maschinenbau sehr gut aufgestellt und können Lösungen präsentieren, die eben nicht nur Kunststoffherstellung auf möglichst ressourcenschonende Art und Weise bedeuten, sondern auch Recycling ermöglichen. Wir haben überdies auch schon Lösungen für die komplette Abfallwirtschaft. Und wir können zeigen, dass dies alles bei uns in Deutschland und in Nordeuropa schon sehr gut funktioniert. Diese Lösungen lassen sich gut transferieren auf Länder wie Indonesien, Vietnam oder die Philippinen, die hier noch nicht ganz so weit sind. Die Kreislaufwirtschaft ist auch außerhalb Europas, beispielsweise in China, durchaus ein präsentes Thema.

 

Auf der diesjährigen Chinaplas gab es eine Konferenz zum Thema Kreislaufwirtschaft. Was war Ihr Eindruck?

Steinbeck: Mein Eindruck ist, dass das Thema Kreislaufwirtschaft auch in China in den Köpfen schon wächst. Das konnte man auf der Konferenz deutlich spüren. Einen großen Beitrag leisten die Brand-Owner, wenn sie Recyclinganteile vorschreiben oder mit der Forderung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen an ihre Lieferanten gehen. Dadurch gewinnt der Prozess an Geschwindigkeit. Wenn es Recyclingvorgaben gibt, dann muss es einen Markt und eine Infrastruktur für recyceltes Material geben – auch für den Einsatz im Lebensmittelbereich. Das ist sicherlich eine große Herausforderung, aber hier kann der deutsche Maschinenbau als Technologieführer bereits heute seinen Beitrag leisten. Wichtig ist: Kunststoff erhält einen Wert auch über das Lebensende des ersten Einsatzes hinaus.

 

Neben der Kreislaufwirtschaft geht es heute auch darum, den Kunststoffverbrauch zu verringern, etwa bei Verpackungen. Verlieren Sie als Hersteller von Maschinen für flexible Verpackungen dadurch Geschäft?

Steinbeck: Die Befürchtung haben wir nicht. Unsere Kunden und wir sind seit Jahren bestrebt, mit möglichst wenig Materialeinsatz auszukommen, und das mit möglichst dünnen Folien und möglichst ressourcenschonenden Verpackungslösungen bei den flexiblen Verpackungen. Wir denken auch nicht, dass alles verpackt werden muss. Aber es gibt gerade im Lebensmittelbereich das Problem, dass rund ein Drittel aller weltweit hergestellten Lebensmittel wegen schlechter Verpackung verderben. Man muss sich in jedem Einzelfall fragen, was besser ist, und zwar für den gesamten Prozess. Wenn eine Gurke beim lokalen Bauern geerntet wird, in den Handel kommt und am selben Tag vom Verbraucher gekauft wird, ist alles gut. Dann wären wir die letzten, die sagten, die Gurke müsste noch verpackt werden. Aber wenn man Gemüse aus Spanien bezieht und ein erheblicher Teil verdirbt vor dem Verzehr, dann ist der Verzicht auf die Kunststoffverpackung keine gute Lösung.

 

In Folien lassen sich viele Eigenschaften einbauen, etwa Barrieren, die Lebensmittel schützen und länger haltbar machen. Aber diese Multi-Layer-Folien sind auch viel schwerer zu recyceln, weil sie aus verschiedenen Kunststoffen bestehen. Wie kann man das Paradox auflösen?

Steinbeck: Man muss sich fragen, ist da die Technologie schon am Ende und ist schon alles erfunden, was in dem Bereich noch kommen wird? Das ist sicher nicht so. Es gibt bereits heute besser recycelbare Rezepturen aus Mono-Material, die die volle Barrierefunktion von Multi-Layer-Folien leisten können. Auf der K 2019 werden diese und weitere Lösungen vorgestellt werden. Neben Mono-Materialien auch solche, die eine bessere Auflösung von Verbundstrukturen ermöglichen. Es gibt auch heute schon Möglichkeiten, Verbundstrukturen zumindest für bestimmte Endprodukte wieder nutzbar zu machen. Und es gibt das chemische Recycling, wo man quasi alle Kunststoffabfälle zu einer Art Ursuppe verkocht und daraus wieder neue Kunststoffketten aufbaut. Aber diese Entwicklung steht erst am Anfang. Wir sind überzeugt, dass feste Vorgaben für Recycling-Anteile in Kunststoffprodukten dem aktuellen Innovationsschub eine konzentrierte Richtung geben können und dann schnell weitere Lösungen entwickelt werden.

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