Ökologische Verantwortung und ökonomische Chancen

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Von der Trendwende zur Alltagstauglichkeit der Circular Economy

  • Vernetzung und Kooperation in der Wertschöpfungskette verstärken
  • Gesicherte Rezyklatqualitäten und -mengen erhöhen Akzeptanz im Markt
  • Maschinenbau als Enabler: Digitalisierung wichtiger Faktor
  • Ruf nach Circular Economy auch auf asiatischen Märkten spürbar


Der Begriff der Kreislaufwirtschaft oder Circular Economy hat in der Kunststoffindustrie längst Fuß gefasst. Längst geht es nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“. Wie können wir den Anteil der Kunststoffe, der im Kreis geführt wird, immer weiter erhöhen, damit er nicht mehr als wertvolle Ressource verloren geht?

Beim heutigen VDMA-Presserundgang auf der Internationalen Fachmesse für Kunststoffverarbeitung Fakuma sprechen Unternehmensvertreter von KraussMaffei, ARBURG, ALIPLAST/Plastics Recyclers Europe PRE, Motan, Sumitomo (SHI) Demag und ENGEL über ihre Erfahrungen, aber auch die Herausforderungen, die sie bei der Umsetzung der Circular Economy sehen.

Vernetzung und Kooperation in der Wertschöpfungskette verstärken

Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen, ist überzeugt: „Kreislaufwirtschaft ist im Maschinenbau angekommen. Wir übernehmen Verantwortung, und wir können als Maschinenbauer einen wichtigen Beitrag leisten. Wir halten es für sehr wichtig, dass sich die Partner des Kreislaufs besser kennenlernen und ein tieferes Verständnis für die Interessen und Bedürfnisse, aber auch für die Möglichkeiten und Grenzen der anderen entwickeln. Dafür eine Plattform zu bieten und die Mitwirkenden zusammenzubringen sehen wir als wichtige Verbandsaufgabe.“

Ähnlich sieht das auch Dr. Frank Stieler, CEO der KraussMaffei Gruppe: „Um eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoff aufzubauen ist eine gute Kooperation und eine enge Abstimmung mit Partnern ausschlaggebend. KraussMaffei arbeitet bereits heute mit anderen Maschinenherstellern zusammen, zum Beispiel mit dem österreichischen Maschinenhersteller und Recycling-Spezialisten Erema.“

Dass Verantwortung für nachhaltiges Denken und Handeln zu übernehmen und lohnende Geschäftsmodelle sich nicht ausschließen, sehen die VDMA-Mitgliedsunternehmen ebenfalls. Stieler bekennt: „Die KraussMaffei Group setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Kunststoff ein. Dabei spielt der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoff eine wichtige Rolle. Wir sehen hier neben einer ökologischen Verpflichtung ganz klar auch ökonomische Chancen.“

Gesicherte Rezyklatqualitäten und -mengen erhöhen Akzeptanz im Markt

Die ökonomischen Chancen kommen jedoch nicht von ungefähr. Zentral für das Funktionieren einer Kreislaufwirtschaft ist die Akzeptanz von Rezyklaten und Produkten aus Rezyklat bei Verarbeitern, den großen Brands und Endkunden – und das im internationalen Kontext.

Dr. Christoph Schumacher, Leiter Marketing und Unternehmenskommunikation ARBURG GmbH + CO KG, formuliert dazu einen umfassenden Ansatz: „Es ist dringend an der Zeit, sich mit aller Kraft mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Kunststoffprodukte – ökonomisch, technologisch und ökologisch sinnvoll – bestmöglich in eine möglichst global strukturierte Kreislaufwirtschaft einzubringen sind“.

Damit Verarbeiter zunehmend Rezyklate bei der Herstellung von Kunststoffprodukten verwenden, brauchen sie sichere Materialqualitäten in ausreichender Menge. Diese erhält man nur, wenn wiederum ausreichend recycelbare Kunststoffabfälle gesammelt werden. Schlüssel, um die Recyclingraten zu erhöhen sind hier einmal das Produktdesign im Sinne des Design for Recycling, aber auch ein besseres Abfallmanagement auf EU-Ebene. Paulo Glerean, Business Development & Institutional Affairs bei ALIPLAST, Italien, und Vorstandsmitglied der Plastics Recyclers Europe PRE, unterstützt die Anstrengungen zur Verbesserung des Kunststoffrecyclings in Europa: “Wenn wir eines Tages geschlossene Kreisläufe haben wollen, müssen wir die Kräfte aller Partner in der Wertschöpfungskette bündeln, und das schließt auch die Endverbraucher mit ein. Wir müssen gemeinsam entschlossen an allen entscheidenden Schritten des Kreislaufs wie der Herstellung der Produkte, der Gebrauchsphase und der Entsorgung arbeiten. Nur so können wir ein effizientes Abfallmanagement für Kunststoffe etablieren mit dem Ziel, eines Tages komplett geschlossene Kreisläufe zu haben. PRE unterstützt mit seiner Plattform RecyClass zahlreiche Abnehmerindustrien in Europa in dem Bestreben, die Recyclingfähigkeit ihrer Produkte zu steigern und sie damit tauglich für die Kreislaufwirtschaft zu machen.“

Maschinenbau als Enabler – Digitalisierung wichtiger Faktor zur Förderung der Kreislaufwirtschaft

Was kann der Maschinenbau hier tun kann? „Wir sind die Möglichmacher, das ist unser eigentliches Geschäftsmodell“, bringt Schumacher es auf den Punkt. Herausforderungen aus den Märkten in innovative Technologielösungen zu übersetzen, hier sehen die Kunststoff- und Gummimaschinenbauer seit Jahrzehnten ihre Kompetenz – so auch der Spritzgießmaschinenbauer Arburg.

Der Materials Handling Spezialist Motan nutzt die Digitalisierung seiner Anlagen, um den besonderen Anforderungen, die die aus dem Kunststoffrecycling hervorgehenden Fördergüter stellen, zu begegnen:

"Die physikalischen Eigenschaften von Rezyklaten sind niemals so gut wie die von Neuware. Das bedeutet, dass auch die Handling-Prozesse dieser Materialien immer komplexer sind, wenn die Qualität des Endproduktes beibehalten werden soll. Hier kann Industrie 4.0 die Kreislaufwirtschaft perfekt unterstützten. Die unterschiedlichen Technologien unter dem Mantel von Industrie 4.0 sind ein Hauptwerkzeug für die Umsetzung der Kreislauf-Strategie. Gleichzeitig gibt ein solcher Beitrag zum Kreislaufwirtschaftsmodell der Entwicklung von Industrie 4.0 eine Bestimmung und einen Richtungsimpuls", ist Sandra Füllsack, Geschäftsführende Gesellschafterin der motan holding gmbh, überzeugt.

„Industrie 4.0 bereitet Circular Economy in der Kunststoffindustrie den Weg. Die zunehmende Intelligenz der Spritzgießmaschinen ermöglicht stabile Prozesse, selbst wenn die Qualität des Rohmaterials schwankt. Damit lassen sich Rezyklate deutlich breiter einsetzen“, schließt sich Dr. Christoph Steger, CSO, ENGEL Holding, an.

Engel sieht sich als Mitglied der internationalen Kunststoffindustrie ebenfalls in der Verantwortung, die Circular Economy zu fördern und seine Expertise in die Entwicklung nachhaltiger, ressourcenschonender Technologien einzubringen.

Ruf nach Circular Economy auch auf asiatischen Märkten spürbar

Steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Kreislaufmodelle sind auch auf den Absatzmärkten weltweit spürbar, zum Beispiel in Asien. Gerd Liebig, Vorsitzender der Geschäftsführung, Sumitomo (SHI) Demag GmbH, bestätigt das: „Unsere Kunden in Asien legen vermehrt Wert auf die Verwendung von recyclingfähigem Material. Es kommen ebenfalls in größerem Umfang neue Materialien, wie zum Beispiel Biopolymere, zum Einsatz. Auch wird versucht, Lösungen zu finden, um die Menge von geschredderten Kunststoffen und verwendetem Material zu verringern sowie den Energieverbrauch zu reduzieren.“

Liebig berichtet weiter: „Aber auch die Meeresverschmutzung durch Mikroplastik ist im asiatischen Raum ein Grund, dort strengere Regeln für das Kunststoffrecycling einzuführen. Die Verschmutzung der Gewässer reduziert die Fischbestände drastisch und hat damit direkten Einfluss auf die Nahrungsindustrie, sprich die Versorgung durch Fisch, der gerade in Japan zu den Hauptnahrungsbestandteilen gehört.“

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