VDMA: Kunststoff- und Gummimaschinen leisten wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft

Fakuma

"Circular Economy" Presserundgang auf der Fakuma 2017

Friedrichshafen, 19. Oktober 2017 – Der VDMA besucht heute auf der Internationalen Fachmesse für Kunststoffverarbeitung Fakuma gemeinsam mit Pressevertretern die Unternehmen EREMA, KraussMaffei Berstorff, Wittmann Battenfeld und Sumitomo (SHI) Demag. Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen befragt dabei Unternehmensvertreter nach ihrem Ansatz zur Kreislaufwirtschaft und warum das Konzept für sie Bedeutung erlangt hat.

Der VDMA Kunststoff- und Gummimaschinen und seine Mitgliedsunternehmen hatten das Konzept im Sommer 2017 auf ihre Agenda genommen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Kunststoff ist ein wertvoller Werkstoff, der sich in vielen Fällen gut rezyklieren lässt, doch das Potential des Kunststoffrecyclings ist noch längst nicht ausgeschöpft. Kunststoff steht auch im Fokus der Endverbraucher. Doch wird hier der Werkstoff eher als das Problem selbst, denn als Problemlöser gesehen, Stichwort Marine Litter. Der nutzbringende Einsatz von Kunststoffprodukten und ihre Wiederverwertbarkeit werden in der breiten Öffentlichkeit kaum diskutiert. Kunststoffprodukte aus Rezyklat treffen immer wieder auf Akzeptanzprobleme beim Endverbraucher. Etwas für das Image von Kunststoffprodukten zu tun halten auch die Maschinenbauer für sehr wichtig.

Die Hersteller von Kunststoff- und Gummimaschinen wollen zeigen, dass sie sich – ganz im Sinne ihrer Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence – um Ressourcenschonung kümmern. Sie haben den Anspruch, nicht nur sorgsam mit dem Werkstoff umzugehen, sondern ihren Kunden, den Verarbeitern, auch wirtschaftlich attraktive Technologielösungen anzubieten.

Kühmann erläutert: „Die Fakuma bietet eine sehr gute Gelegenheit, konkrete Anwendungen zu zeigen, die zum Gelingen einer Kreislaufwirtschaft beitragen. Kreislaufwirtschaft fängt für uns bereits beim effizienten Produktionsprozess an. Hier geht es nicht nur darum, Material einzusparen, sondern auch um Energieeffizienz. Wir wollen auch zeigen, was das Kunststoffrecycling heute bereits kann und dass aus Rezyklat heute hochwertige Produkte hergestellt werden können.“

Die Maschinenbauer sehen die Zukunft einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft im Zusammenspiel aller Partner der Kunststoffindustrie, gemeinsam mit Rohstoffherstellern und Verarbeitern.

EREMA setzt neben neuen Technologien auf Dialog und ganzheitliche Beratung zur Prozessoptimierung

Manfred Hackl, CEO der EREMA Group, macht es deutlich: „Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie vergleiche ich gerne mit dem Sinnbild von ineinandergreifenden Zahnrädern. Die Integration von Recycling in die bestehende Prozesskette ist nur durch Kommunikation möglich – angefangen vom Produktdesign bis hin zur Fertigung. Von der notwendigen aktiven Kommunikation sind auch wir nicht ausgenommen: der Extrusionsprozess, die Kernkompetenz von EREMA, kann weder losgelöst von der Sortierung oder dem Waschen, noch von der gewünschten Endanwendung aus Rezyklaten gesehen werden.“

Nach Hackl hat das Konzept der Kreislaufwirtschaft nun auch in der Kunststoffindustrie an wirtschaftspolitischer Bedeutung und vor allem an Verbindlichkeit der Beteiligten entlang der Kunststoffkette zugenommen. Als wesentliche Treiber sieht er politische Maßnahmen wie etwa das Kreislaufwirtschafts-Paket der EU, namhafte Brands als Vorreiter und Initiativen, wie beispielsweise die von Ellen MacArthur.

Auf der Fakuma präsentiert EREMA vor allem Technologien, die darauf abzielen die Qualität von Rezyklaten weiter zu steigern, um die Bandbreite für Absatzmärkte zu erhöhen. Die neuesten Entwicklungen betreffen Verbesserungen bei Filtration, Geruch und werden ergänzt durch smarte Anwendungen. Mit Blick in die Zukunft setzt EREMA auf eine ganzheitliche Beratung, um die Wertschöpfung von Kunststoff durch Prozessoptimierung zu maximieren. EREMA wird Kunden beraten, die maßgeschneiderte Recycling-Lösungen von der ersten Idee bis hin zur Inbetriebnahme der Anlage benötigen. Dabei werden Automatisierung, Prozessoptimierung und Nachweisbarkeit eine immer größere Rolle spielen.

Vom Recyclat zum hochwertigen Compound für High-End-Anwendungen

Auf der Fakuma stellt KraussMaffei Berstorff die Aufbereitung von Kunststoffabfällen zu hochwertigen Re-Compounds vor. Die im Modell gezeigte Anlage verarbeitet Rezyklate unter anderem aus Polyethylen- und Polypropylen-Flakes zu Re-Compounds. Die Flakes stammen zum Beispiel von oder können auch sortenreine DSD-Abfälle sein.

Carl-Philip Pöpel, Leiter Produktmanagement Zweischneckenextrusion bei KraussMaffei Berstorff, beschreibt den Vorteil der neuen Technologie: „Werden bisher zwei Extrusionsanlagen benötigt, um vom Rezyklat zum Compound zu kommen, so ist dies jetzt in einem Schritt möglich. Wir umgehen den Zwischenschritt der Granulierung des Regranulates. Das reduziert nicht nur die Energiekosten, sondern auch die thermische Belastung, da wir das Rezyklat nur einmal aufschmelzen. So können wir hochwertige Re-Compounds für High-End-Anwendungen herstellen.“

Bei der Kunststoffverarbeitung den Eintrag in den Kreislauf möglichst gering halten

So wichtig das Recycling für eine gelungene Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie ist, so ist es doch unerlässlich und auch lohnenswert, den Blick bereits auf den Herstellungsprozess von Kunststoffprodukten zu werfen. Georg Tinschert, Geschäftsführer des Spritzgießmaschinenherstellers WITTMANN BATTENFELD beschreibt es so: „Wir sehen uns als Maschinenhersteller als Teil eines umfassenden Kreislaufs. Unseren Hauptbeitrag sehen wir darin, den Eintrag in den Kreislauf so gering wie möglich zu halten, um eine möglichst Ressourcen schonende Produktion zu gewährleisten.“

Auf die Frage, wie WITTMANN BATTENFELD diese Anforderung technologisch löst, führt er weiter aus: „Wir nutzen in unseren Maschinen modernste Antriebstechnologie – elektrisch oder – im Standard, um den Einsatz von Primärenergie so gering wie möglich zu halten. Dieser Effekt wird durch die zusätzliche Nutzung unserer intelligenten Regelungstechnik weiter verstärkt, da sie die Nutzung der frei werdenden Bremsenergie in der Maschine ermöglicht. Wir bieten außerdem Technologien an, die dazu beitragen, den Materialverbrauch zu reduzieren durch die Herstellung dünnwandiger Teile, oder, indem Kunststoff durch Gas ersetzt wird.

Stabile Prozesse, geringer Ausschuss und hohe Anlagenverfügbarkeit

Auch der Spritzgießmaschinenhersteller Sumitomo (SHI) Demag setzt klar auf effiziente Antriebstechnologien und niedrigen Materialverbrauch. „Mit unserer neuen Generation elektrischer Spritzgießmaschinen erreichen wir eine ausgezeichnete Energiebilanz“, erklärt Gerd Liebig, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Doch nicht nur das“, führt er weiter aus, „der hochpräzise Produktionsprozess erlaubt die Fertigung anspruchsvoller technischer Teile bei geringem Ausschussanteil.“

Bei Sumitomo (SHI) Demag wird Nachhaltigkeit schon lange großgeschrieben, das Unternehmen ist seit Jahren aktiver Partner der VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence. „Wir sehen das Konzept der Kreislaufwirtschaft als guten Impulsgeber auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Für die gesamte Wertschöpfungskette, unsere Kunden und auch deren Kunden wird es immer wichtiger, bereits den Produktionsprozess in die Nachhaltigkeitsbetrachtung mit einzubeziehen“, berichtet Liebig. „Wir als Maschinenbauer können zur Imageförderung von Kunststoff beitragen. Auch, indem wir Kundenanforderungen nach Verarbeitung von Rezyklaten nachgehen und unsere Maschinen optimal auf unterschiedliche Materialen anpassen.“

Nicht zuletzt setzt Sumitomo (SHI) Demag auf hohe Anlagenverfügbarkeit. Wenig störungsanfällige, wartungsarme Maschinen und Anlagen benötigen seltener Service vor Ort, auch das schont Ressourcen.